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LEPTOSPIROSE

Eine ganz gemeine Krankheit

Leptospirose ist eine Erkrankung der Nieren durch Bakterien. Diese Bakterien kann man zwar gut mit Penicillin behandeln, aber es muss erst mal erkannt werden.
Luis hatte eine Infektion mit Leptospiren. Wir konnten es erst gar nicht glauben, da er ja dagegen geimpft ist. Es ist nur leider so, das nur gegen 2 von mehreren Erregern geimpft wird und Luis einen der anderen hatte.



Bezeichnungen:

Die Leptospirose ist eine Krankheit, die auch als Morbus Weil bzw. Weil'sche Krankheit, Stuttgarter Hundeseuche oder Schweinehirtenkrankheit bekannt ist. Diese werden durch besondere Subformen des Erregers ausgelöst.
Die Erkrankungen der anderen Subformen haben keine "Trivialnamen".

Der Name kommt wie so oft in der Medizin aus dem Griechischen: Lepto heist fein, und Spira spiralförmig. Es sind also kleine spiralförmige Erreger, die gekrümmte oder hakenartige Enden aufweisen.

Zwei Typen sind zu unterscheiden: Leptosira biflexa und Leptospira intterrogans. Gefährlich sind ausschließlich die Interroganstypen.

Die Länge beträgt zwischen 10 und 20 µm, der Durchmesser
der Spirale etwa 0,1 bis 0,2 µm. Die Fortbewegung erfolgt durch Rotationen des Zelleibs, nicht durch Geißeln. Am Ort des Eindringens erfolgt keine entzündliche Reaktion, befallen wird zuerst das Zentrale Nervensystem, im Anfangsstadium werden direkt die Endothelzellen der kappilaren Blutgefäße geschädigt, später kommt es zu einer generalisierten Vaskulitis (allg.: Entzündliche Gefäßwandveränderung) was die Durchlässigkeit in den kleinen Blutgefäßen dramatisch erhöht. Es kommt zu Blutungsneigung, Entzündungen und Probleme in der Sauerstoffversorgung im Gewebe.


Übertragung

Leptospirose wird über Pfützen und stehende Gewässer ( z. B. Seen) übertragen. Ratten und Mäuse sind die Überträger, sie pinkeln dann entweder direkt in Pfützen oder auf den Boden und der nächste Regen " aktiviert" die Erreger dann wieder.
Der Urin des Kranken Hundes enthält dann auch diese Erreger.
Der Mensch sollte also eventuelle Pfützen in der Wohnung nur mit Handschuhen beseitigen, sonst könnte es auch für des Menschen gefährlich werden.
Wird der Hund mit Penicillin behandelt, ist er kurz darauf ( wenige Tage) nicht mehr inektiös.



Symptome

Die Symptome sind nicht immer voll ausgeprägt:

- viel trinken
- vermehrtes Wasser lassen
- Fressunlust
- Übelkeit/Erbrechen
- Durchfall
- extremes Schlafbedürfniss
- Schmerzen im Nierenbereich
- evtl. Fieber
- extremer Gewichtsverlusst
- evtl. gelblich verfärbte Augen
- petechiale Blutungen
- Ikterus durch Leberentzündug
- Niereninsuffizienz evtl. Nierenbeckenentzündung



Terapie:

Hochdosierte Gaben von Penicillin G zur Bekämpfung der Erreger im Körper und Doxicillin zur Bekämpfung in der Harnblase, denn erkrankte Tiere scheiden den Erreger aus und werden zur Gefahr für andere Tiere. Begleitend sollte alles getan werden um die
Nieren zu entlasten. Wir haben Luis mit spezieller Nierendiät gefüttert, die die Stoffe minimiert, die die Nieren normalerweise aus dem Blut entfernen "entgiften"
sollen. Gleichzeitig Wasser, Wasser, Wasser und nochmal Wasser. Der Hund kann gar nicht genug trinken! Und noch was: Durch die Antibiotika müssen die Hunde andauernd Gassi gehen! Also Nachtschichten sind angesagt. Länger als 4 Stunden kann der Hund
nicht aushalten. Und wenn doch was daneben geht: Eigenschutz bedenken und Einmalhandschuhe benutzen, denn der Urin enthält die Erreger. Normalerweise harmlos, können die Erreger durch Verletzungen an der Haut auch in den Menschen gelangen. Auch wenn die Wunde wohl schon etwas größer sein muß würde ich es trotzdem nicht riskieren.
Einen Therapieerfolg wird man nur über dauernde Bluttests nachweisen können, ein erster Hinweis auf Besserung ist es aber, wenn der Urin wieder gelblicher wird. Das bedeutet nämlich, daß die Nieren wieder anfangen zu arbeiten.



Die Impfung:

Das Auftreten der Krankheit soll beim Hund durch die Schutzimpfung, die in den meisten Kombipräparaten enthalten ist, verhindert werden. Warum kommt es nun trotz Impfung immer wieder zum Ausbruch dieser gefährlichen Krankheit?

Nun, es gibt verschiedene Punkte die hierbei zu nennen sind:

- Die Impfung hält keine 12 Monate, realistisch muß man von 8 Monaten ausgehen. Das hängt auch damit zusammen, daß die Impfung für eine bestimmte Rasse einmal entwickelt worden ist und einfach auf alle anderen Hunde übertragen wurde.

- Es existierern über 100 verschiedene Typen und Subtypen, die nur sehr aufwändig und kostenintensiv Serologisch voneinander getrennt werden können. In Europa kommen vorallem 8 Formen des Erregers vor:

Leptospira interrogans serovar...

... canicola (Erreger der Stuttgarter Hundeseuche, gefährlich für Hund und Mensch)
... icterohaemorrhagiae (Erreger der Morbus Weil, gefährlich für Hund, Katze, Ratte und
Mensch)
... grippootyphosa (gef. für Hund, Wühlmaus und Mensch)
... bratislava (Hund, Ratte, Maus)
... autumnalis (Katze, Maus)
... pomona (Hund, Rind, Schwein, Mensch)
... sejroe (nicht bekannt)
... hardjo (Rind und Katze)

Wie man sieht, sind mindestens fünf der Erreger für den Hund gefährlich, es wird i.d.R. jedoch nur gegen 2 Typen geimpft, diese sind canicola und icterohaemorrhagiae. Die beiden sind wohl auch die gefährlichsten, was einem jedoch nichts nützt, wenn die Infektion mit einem der anderen Erregern nicht oder zu spät erkannt wird.


Inkubationszeit:

Die Inkubationszeit ist unterschiedlich und hängt auch mit der Konstitution des Hundes zusammen. Es ist hier von mindestens 4, bis etwa 14 Tagen die Rede.


Erkennen der Krankheit:

Vorab:
Das Erste ist, daß der Hund die Krankheit so lange es geht "verheimlichen" wird. Das liegt daran, daß er ein Rudeltier ist und schwache Tiere in eine Opferstellung geraten. Daher ist eine exakte Kenntniss des Tieres nötig.

Das Zweite ist, daß sich die Krankheit wahrscheinlich lange unbemerkt bleibt, da eine Leberschädigung durch "Gelbsucht" also eine allgemeine Gelbfärbung oft unbemerkt bleibt.
Durch das Fellkleid der Hunde ist diese oft nur an den Augen sichtbar.

Eine Nierenschädigung ist noch schwerer erkennbar, da die Nieren Ausfälle sehr lange "verdecken" können. Erst wenn nur noch etwa 15% der Niere funktionstüchtig sind (Angaben schwanken), wird eine Vergiftung bemerkbar, sichtbar am schwankendem Gang im hinteren Bereich, oder allgemein motorischen Auffälligkeiten. Der Urin ist dann auch nahezu farblos, da die Giftstoffe, vorallem Phosphate, die häufig in Würstchen etc. enthalten sind, nicht mehr genügend abtransportiert werden und den Körper vergiften.


Aussichten/Heilungschancen:

Das wohl schwierigste Kapitel überhaupt:
Wird mein Hund die Krankheit überstehen? Eine Frage, die nicht beantwortet werden kann. Wir haben es mit dem Erreger "Grippothyphosa" zu tun gehabt, der bei Luis eine Nierenschädigung hervorgerufen hat. Wie es bei einem Befall der Leber aussieht, können wir nicht sagen.

Bei Luis kann man wohl nur sagen, wir waren noch rechtzeitig beim Arzt mit ihm und haben glücklicherweise sofort mit Antibiotika angefangen. Die Krankheitssymptome waren erkennbar, aber zum Glück noch nicht voll ausgeprägt. Die Krankheit verläuft dramatisch und schnell, auch wenn der Tod sehr langwierig sein kann. Unser Glück oder Pech war, daß wir 6 Monate zuvor unsere geliebte Mischlingshündin Cassy verloren haben, die unter einer chronischen Niereninsuffizienz gelitten hat und wir bei Luis die Symptome, die nahezu identisch sind, sofort wiedererkannt haben. Hätten wir noch 1-2 Tage mit dem Gang in die Tierklinik gewartet hätte es zu spät sein können. Es war bei ihm eine Diagnose aus "Wiedererkennen" heraus.

Aus vielen Fundstellen im Internet, die durch Benutzen von Suchmaschinen auch schnell gefunden werden können, zeichnet sich auf jeden Fall ab, daß bei Welpen bzw. Kleinhunden oder auch Hunden älter als 7-8 Jahre mit einer sehr hohen Sterblichkeit zu rechnen ist, weil ihre Abwehr noch nicht oder nicht mehr gut ausgebaut ist.

Wir hoffen, daß Sie niemals mit dieser Krankheit zu tun haben werden!


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